Buch

Blackstone432

DIE CYBER-PROFIS

CEM KARAKAYA - TINA GROLL

(ab 03.09.2018 im Handel)

BUCH

DIE CYBER-PROFIS

Lassen Sie Ihre Identität nicht unbeaufsichtigt

»Möchten Sie sicher kommunizieren? Dann besorgen Sie sich eine Brieftaube!«

Ihr Smartphone? In Minuten geknackt. Name, Anschrift oder Geburtsdatum eingegeben? Mehr braucht es heutzutage nicht für einen Identitätsklau. Wie erschreckend leicht es Kriminelle im Netz haben, das decken Cem Karakaya, langjähriger Interpol-Mitarbeiter und Präventionsexperte der Münchner Polizei, und Tina Groll, Journalistin und selbst Betroffene von Identitätsmissbrauch, auf: Gestohlene Daten, die für Betrug, Stalking, Mobbing oder digitale Erpressung missbraucht werden; Haushalts- und Gebrauchsgegenstände, die ganze Bewegungs- und Persönlichkeitsprofile über uns erstellen; Verträge, die unter fremden Identitäten abgeschlossen werden.

Unglaubliche Geschichten, eindrückliche Berichte, erschütternde Fakten – wer mit diesen Cyber-Profis die digitalen Abgründe erkundet hat, wird so leicht keinem Betrüger ins Netz gehen.

Mit leicht umsetzbaren Tipps, wie wir uns vor Datenmissbrauch schützen und welche Erste-Hilfe-Maßnahmen man als Betroffener ergreifen sollte.

 

 

ERSCHEINT: 03.09.2018

Cem Karakaya

Autor

© Kay Blaschke

Cem Karakaya stammt gebürtig aus der Türkei. Nach einer Ausbildung als Polizist studierte er vier Jahre an der Polizei-Akademie in Ankara für eine Laufbahn im gehobenen Dienst. Danach stieg er bei der Interpol ein, wo er unter anderem für die Abteilung auswärtige Angelegenheiten und zwei Jahre als Generalsekretär der Internationalen Polizei Vereinigung (IPA) für die türkische Sektion tätig war. Später wechselte er in den Bereich „Neue Medien und Internetkriminalität“. Seit 2008 ist er der IPA-Sekretär der Verbindungsstelle München und hier auf Cybercrime und Prävention spezialisiert. Nebenberuflich ist Karakaya zu dem Thema auch als Berater und Speaker tätig.

 

Tina Groll

Autorin

© Kay Blaschke

Die Diplom-Journalistin Tina Groll ist Redakteurin bei ZEIT ONLINE im Ressort Politik & Wirtschaft. Sie studierte Journalistik und Wirtschaft an der Hochschule Bremen und am Manipal Institute of Communication in Indien, volontierte beim Bremer Weser-Kurier und wechselte danach zu ZEIT ONLINE. Groll ist Autorin mehrerer Bücher und arbeitet nebenberuflich als Speakerin, Moderatorin und Trainerin. Von der Deutschen Journalistenunion dju in ver.di ist sie in den Beschwerdeausschuss 1 des Deutschen Presserats entsendet. Groll wurde 2009/2010 selbst Opfer von Identitätsmissbrauch in besonders krassem Maße. Sie wehrte sich erfolgreich dagegen – heute hält sie über das Thema Vorträge und berät Opfer. Sie betreibt das Informationsportal www.identitaetsdiebstahl.info.

 

 

VORGESCHMACK:

 

...Simone Peters (Name geändert) freute sich, ihren 33. Geburtstag zusammen mit ihrer besten Freundin in New York zu feiern – mit Übernachtung in einem traumhaften Hotel, wo sie ihre Freundin treffen wollte und einer Hubschrauber-Tour über der Stadt. Lange hatte sie auf den Urlaub gespart und viele Monate durchgearbeitet. Doch als der Airbus nach neun Stunden endlich in New York landete, kam alles anders. An der Passkontrolle waren lange Schlangen – abgehetzte Geschäftsreisende, gestresste Eltern mit kleinen Kindern und harte Sicherheitschecks: Simone Peters wartete geduldig, bis sie an der Reihe war. Sie kramte ihren Reisepass aus dem Handgepäck und übergab diesen dem Beamten. Aber wieso starrte er sie plötzlich so an? Die Deutsche war irritiert. War irgendetwas nicht in Ordnung? Der Mann stand auf, musterte sie weiter und sagte dann mit einem strengen, bestenfalls sehr seriösen Tonfall, dass sie bitte warten solle. Simone Peters merkte, wie ihre Hände schwitzig wurden. Ärger konnte es doch bei der Einreise in die USA nicht geben. Sie postete in sozialen Netzwerken niemals etwas Politisches und hatte sich auch nie kritisch über die Vereinigten Staaten geäußert. Oder war etwas mit ihrem Pass nicht in Ordnung? War er abgelaufen? Nein, das konnte nicht sein. Sie hatte es doch letzte Woche erst überprüft.

 

Peters beobachtete, wie gleich drei uniformierte Beamte zurückkamen. „Kommen Sie bitte mit!“, forderte einer der Männer sie auf. Die Deutsche fühlte sich wie in einem Film – schon war sie von den Männern umringt, so als wäre sie eine Gefahr. Andere Reisende starrten sie an. Peters erkannte in der Schlange auch die Frau, die in der Maschine neben ihr gesessen und mit der sie sich so nett unterhalten hatte. Peter hätte gerne allen erklärt, dass hier ein Missverständnis vorliegen muss. „Don't talk!“ raunte einer der Beamten sie an. „Reden Sie nicht!“ Und so wurde die Deutsche völlig durcheinander und mit zitternden Händen abgeführt.

 

Die Männer brachten sie in ein Zimmer hinter dem Securitybereich. Hier stand ein Tisch in der Mitte, zwei Stühle – sonst nichts. Ein Mann mit Anzug und Krawatte saß hier. Und eine Polizistin in Uniform stand hinter ihm. Sie nahm Peters die Handtasche ab, leerte dieses und legt den Inhalt in eine Kiste, die auf dem Tisch stand. „Ich brauche einen Anwalt – sofort!“, dachte die Deutsche. Sie wollte ihren Vater in Deutschland anrufen, der Jurist ist. Doch das war verboten. „Geben Sie mir ihr Handy!“ forderte die Polizistin sie auf. „Und verhalten Sie sich ruhig!“ Erst jetzt realisierte die Deutsche, dass alle Polizisten ihre Hände auf dem Pistolengriff hatten. Sie zwang sich, sich zusammenzureißen. „Was stimmt denn nicht?“, brachte sie endlich hervor. Doch die Polizisten antworteten nicht. Die Beamtin durchsuchte Peters, deren Panik immer größer wurde.

Dann endlich begann der Mann im Anzug zu sprechen...

 

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...Auch an diesem Tag klingelt das Beratungstelefon wieder unablässig. Unter einer Hotline können Münchner Bürgerinnen und Bürger, die mit Internetkriminalität Probleme haben, Hilfe bei der Polizei finden. Das Telefon steht in meinem Büro.

 

An diesem Nachmittag ist eine junge Frau am Apparat. Sie ist sehr aufgeregt. „Ich wurde gehackt!“, sagt sie. Das ist oft der erste Gedanke, wenn seltsame Dinge online passieren, die sich der Betroffene nicht anders erklären kann.

 

„Was ist denn passiert, bitte?“, frage ich nach. Aus der Frau am Telefon bricht es jetzt heraus: „Mein Exfreund weiß alles! Wo ich bin, mit wem ich kommuniziere! Er hat sogar Fotos, die ich nach unserer Trennung gemacht habe! Wie kann das sein? Ich vermute, dass mein Expartner mich gehackt hat und sich Zugriff auf alle meine Daten verschafft. Er kennt sich gut mit IT aus“, erzählt sie. Ich versuche die Anruferin erst einmal zu beruhigen und möchte wissen, wie sie zu ihrer Vermutung kommt. „Mein Exfreund schreibt mir immer Nachrichten. Sie klingen vielleicht harmlos, aber sie machen mir Angst. Beispielsweise schreibt er mir: 'Trink nicht so viel', wenn ich gerade tatsächlich in einer Bar bin. Wenn ich gerade einkaufe, schickt er mir die Waren, die im Angebot sind. Und es sind so schrecklich viele Nachrichten! Bestimmt hundert am Tag! Ich kann einfach nicht mehr!“ Die Frau erzählt, dass die Nachstellungen des Expartners ein solches Ausmaß angenommen hätten, dass sie sich kaum mehr traue, die Wohnung zu verlassen. „Das Ganze beeinträchtigt mein ganzes Leben. Neulich hat er sogar über mein Facebookkonto meine Chefin beleidigt – unter meiner Identität. Er muss also auch mein Profil gehackt haben! Gott sei Dank glaubt meine Chefin mir, will aber, dass das Ganze aufhört.“

 

Ich frage die Frau, wie lange sie mit ihrem Partner zusammen war. „Es waren bestimmt fünf Jahre. Aber warum wollen Sie das wissen?“, fragt sie. Tatsächlich ist das für die Ermittler eine relevante Information...

 

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...„Wie schön die Pont Neuf von hier ausschaut!“, sagt Müjdat Turgut zu seinem Kollegen Pascal Moreau. – „Es ist die älteste der Pariser Seinebrücken. Kaum zu glauben, dass Paris noch weitere cirka 300 Brücken hat. Wenn wir Erfolg haben, gehen wir noch heute Nacht etwas trinken. Ich schwöre Dir, Müjdat, dann zeige ich dir jede einzelne Brücke!“, sagt Pascal und lacht. – „Das werden wir Pascal. Unsere Arbeit endet heute“, ist sich sein türkischer Kollege sicher.

Müjdat und Pascal arbeiten bereits seit zwei Monaten zusammen. Beide gehören zu Interpol. Pascal zu einer französischen und Müjdat zu einer türkischen Einheit, die gemeinsam an einem Fall sitzen. Die letzten Wochen waren für die Agenten anstrengend, sie sind nämlich einer Terrorzelle auf der Spur, die in Paris entdeckt wurde, aber ihren Ursprung in der Türkei hat. Acht Personen gehören dazu, die eine Wohnung in der französischen Hauptstadt angemietet haben. An diesem Abend wollen die Ermittlungsbehörden zuschlagen. Darum sind die beiden Agenten auch nicht allein, vier weitere Kollegen sitzen mit ihnen im Oberservationsbus, der gut getarnt in einer Seitenstraße steht. Und weitere Spezialeinheiten befinden in der Nähe. Jede Einheit hat eine besondere Aufgabe. Während Pascal und Müjdat aus dem Fenster blicken und vom Ende des Einsatzes träumen, sagt plötzlich ein anderer französischer Kollege, der seinen Blick fest auf einen Monitor gerichtet hat: „Es ist so weit. Es geht los!“ Die Beamten beobachten, wie das Team der französischen Spezialeinheit die Wohnung der mutmaßlichen Terroristen stürmt.

 

Endlich ist der entscheidende Augenblick gekommen, auf den die Teams so lange hingearbeitet haben. Ein riskanter und wichtiger Moment. Das erste Team soll die Männer und Frauen festnehmen und die Wohnung sichern. Und tatsächlich: Nach nicht einmal zehn Minuten ist alles vorüber – keine Schüsse sind gefallen. Jetzt sind Pascal und Müjdat dran...

 

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